Bitcoin vs. Dollar: Warum Larry Finks Warnung der Anfang einer neuen Geldordnung sein könnte
BlackRock-Boss Larry Fink packt aus: Warum Bitcoin die neue Weltwährung sein könnte – und der Dollar alt aussieht, von Elisabeth M. Kammermeier, 2. April 2025.
Larry Fink, CEO des weltweit größten Vermögensverwalters BlackRock, hat in seinem Aktionärsbrief vom 31. März 2025 eine der brisantesten Aussagen seiner Karriere getroffen: Der US-Dollar, jahrzehntelang das Rückgrat der Weltwirtschaft, stehe auf wackeligen Beinen. Und Bitcoin – einst von ihm als „Index für Geldwäsche“ verspottet – könne diese Vormachtstellung ernsthaft gefährden. Es ist eine Kehrtwende mit politischer und ökonomischer Sprengkraft. Was, wenn Fink Recht hat?
1. Der Dollar als Säule der Weltordnung
Der US-Dollar war seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs mehr als nur eine Währung. Er wurde zur tragenden Säule des globalen Finanzsystems – gestützt durch das Bretton-Woods-Abkommen, die Ölpreisbindung in Dollar (Petrodollar) und das Vertrauen in Amerikas wirtschaftliche Stabilität. Fast 60 % aller Devisenreserven weltweit sind in Dollar gehalten, internationale Handelsverträge und Rohstoffpreise werden in der Regel in USD denominiert. Doch dieses Vertrauen beruht auf fiskalischer Disziplin, politischer Stabilität und einem gewissen Maß an monetärer Zurückhaltung – alles Faktoren, die in den letzten Jahren zunehmend ins Wanken geraten sind.
2. Die Schuldenrealität – Amerika auf Pump
Fink spricht es offen an: Die fiskalische Lage der USA ist „nicht nachhaltig“. Mit einer Staatsverschuldung von über 36,22 Billionen US-Dollar – rund 124 % des BIP – und einem Defizit, das Jahr für Jahr neue Rekorde bricht, verliert die USA an ökonomischer Glaubwürdigkeit. Besonders alarmierend: 2025 werden die Zinszahlungen erstmals höher ausfallen als die Ausgaben für Verteidigung – 952 Milliarden Dollar versus 822 Milliarden. Diese Entwicklung ist nicht nur ein finanzielles Problem. Sie sendet ein Signal an internationale Investoren: Der Dollar könnte seine Rolle als sicherer Hafen verlieren. Fink warnt: „Wenn die USA ihre Schulden nicht in den Griff bekommen, riskiert Amerika, diese Position an digitale Vermögenswerte wie Bitcoin zu verlieren.“
3. Bitcoin als Antwort – oder als Gefahr?
Dass Larry Fink heute Bitcoin als „digitales Gold“ bezeichnet, markiert eine radikale Neubewertung. Für ihn ist BTC mehr als nur ein spekulativer Hype: Es sei ein knappes, dezentrales und staatlich unabhängiges Wertaufbewahrungsmittel – eine Form von Kapital, das keiner Regierung unterliegt. Seine Rechnung: Wenn institutionelle Investoren wie Staatsfonds nur 2–5 % ihrer Portfolios in Bitcoin investieren, könnte der Kurs auf bis zu 700.000 US-Dollar steigen. Bitcoin sei – so Fink – größer als jede Regierung. Und genau darin liegt die Herausforderung: Für ein Finanzsystem, das auf staatlicher Kontrolle basiert, ist ein solches Asset nicht nur unbequem – es ist subversiv.
4. BlackRock & die Macht der Narrative
Die Rolle von BlackRock in dieser Entwicklung ist nicht zu unterschätzen. Mit dem eigenen Bitcoin-Spot-ETF „IBIT“ hat der Finanzriese bereits Milliarden in den Markt gelenkt. Gleichzeitig wird das Unternehmen aber auch kritisiert: Berichte über mögliche Bitcoin-Verkäufe im Dezember 2024, mutmaßlich zur Preissteuerung, sorgen für Misstrauen. Robert Kiyosaki, Autor von Rich Dad Poor Dad, warf Fink sogar vor, den Markt für „Wale“ zu manipulieren. Fink bleibt unbeeindruckt – für ihn ist die Richtung klar. „Zwei Dinge können wahr sein“, schreibt er: Blockchain macht Märkte effizienter, aber gleichzeitig könnte sie die Vormachtstellung der USA gefährden.
5. Reaktionen der Finanzelite & geopolitische Folgen
Nicht alle teilen Finks Vision. David Solomon, CEO von Goldman Sachs, nennt Bitcoin ein „volatiles Spekulationsobjekt“, kein Ersatz für den Dollar. Der Citi Wealth Report verweist auf die Stabilität von Stablecoins, die direkt an den Dollar gebunden sind – als Brücke zwischen alter und neuer Finanzwelt. Doch im Hintergrund formieren sich neue Kräfte: Die BRICS-Staaten arbeiten an einer rohstoffgedeckten Parallelwährung, China und Russland setzen auf dedollarisierte Handelsabkommen, und selbst in Europa mehren sich die Stimmen, die eine Abkopplung vom Dollar erwägen.
6. Zukunftsszenarien – Was, wenn Fink Recht behält?
Was würde es bedeuten, wenn Bitcoin wirklich den Dollar herausfordert? Ein weltweites Umdenken in der Geldpolitik? Kapitalflüsse weg von Staatsanleihen? Neue geopolitische Bündnisse? Für Investoren könnte es bedeuten: Diversifikation ist keine Option mehr – sondern Pflicht. Auch Staaten müssten neu denken: Wie reguliert man ein Asset, das sich nicht regulieren lässt? Welche Rolle spielen Zentralbanken in einem dezentralen Finanzsystem? Larry Finks Warnung ist kein PR-Gag. Es ist das Signal eines Mannes, der wie kaum ein anderer die Ströme globalen Kapitals lenkt – und der ein neues Zeitalter der Geldordnung kommen sieht. Bitcoin mag noch nicht das neue Weltgeld sein. Aber es ist der erste ernsthafte Herausforderer seit dem Beginn der Dollar-Dominanz. Und genau deshalb lohnt es sich, zuzuhören – und nachzudenken.
Quellen
BlackRock Shareholder Letter, März 2025
US Debt Clock (https://usdebtclock.org)
World Economic Forum, Davos 2025
CoinMarketCap, Stand 2. April 2025
Bloomberg, CNBC, Forbes – diverse Marktberichte 2024/2025
Trump-Kampagne & Krypto-Strategien
Robert Kiyosaki, David Solomon, Citi Wealth Report
Bernstein Research, März 2025